Dieser Artikel erschien zuerst auf unserer Partnerseite Independent Persian. Während Regierungsbeamte in Iran Pläne für eine Preiserhöhung von Benzin um 100 Prozent ankündigen, deuten Berichte aus Städten im ganzen Land darauf hin, dass das Hauptproblem nicht mehr nur der Preis ist, sondern auch der Zugang zu qualitativ hochwertigem Treibstoff zunehmend schwierig wird.

Dschafar Ghaderi, Mitglied des Wirtschaftsausschusses des iranischen Parlaments, erklärte letzte Woche, dass die Islamische Republik Iran mit einem täglichen Benzindefizit von 15 bis 20 Millionen Liter konfrontiert sei und der Import von Benzin rund 1 Dollar (75 Pence) pro Liter koste. Er bestätigte, dass die US-Seeblokade den Strom der Importe nach Iran unterbrochen habe. Laut Ghaderi kamen zuvor rund 83 % der Importe über südliche Seewege ins Land, und Einschränkungen auf diesen Routen haben die Versorgung mit sowohl Waren als auch Treibstoff beeinträchtigt.

Aufnahmen aus Teherans wohlhabendem Viertel Velenjak zeigen eine lange Autoschlange vor einer Tankstelle, die Anwohnern zufolge sonst ruhig war. Eine andere Quelle teilte Independent Persian mit, sie habe mehrere Tankstellen in Farmanieh und Pasdaran besucht, zwei gehobenen Vierteln der Hauptstadt, habe aber kein Benzin finden können. Weitere Videos aus Maschhad und Rascht zeigen ebenfalls lange Schlangen vor Tankstellen.

Ein Einwohner aus Maschhad sagte: „Ich bin zu fünf verschiedenen Tankstellen gefahren, aber sie wollten mir ohne Tankkarte nicht einmal einen Liter Benzin geben.“ Unterdessen zeigt ein Video aus der südlichen Stadt Sarawan eine lange Fahrzeugschlange vor der Tankstelle Pak Gohar. Anwohner berichten, dass sie seit den frühen Morgenstunden angestanden hatten, um ihre Benzignote zu erhalten, wobei einige in der großen Hitze von Sistan und Belutschistan stundenlang warten mussten.

Andere Aufnahmen aus der Hafenstadt Dschabahar zeigen kilometerlange Schlangen vor funktionierenden Tankstellen, während mehrere andere Tankstellen in der Stadt nach Treibstoffmangel geschlossen wurden. Ähnliche Berichte tauchen weiterhin aus anderen Teilen des Landes auf.

Ein Einwohner in Süd-Chorasan berichtete, dass zwei der drei Tankstellen der Stadt geschlossen waren und das Personal angab, kein Benzin verkaufen zu können. Eine andere Person aus Masandaran schrieb: „Ich bin um 2:20 Uhr morgens losgegangen, um Benzin zu holen. Von drei Tankstellen war nur eine geöffnet, und selbst diese hatte nur eine Zapfsäule in Betrieb. Es dauerte fast drei Stunden zu tanken.“ Die Krise beschränkt sich jedoch nicht nur auf Engpässe.

Auch die Sorgen hinsichtlich der Benzinqualität nehmen zu. In der vergangenen Woche berichteten zahlreiche Anwohner in Teheran und anderen Städten gegenüber Independent Persian, dass sie nach dem Betanken ihrer Fahrzeuge unruhig laufende Motoren, aufleuchtende Warnleuchten, Beschleunigungsverlust und steigende Motortemperaturen erlebten.

Kürzlich veröffentlichte Aufnahmen aus Schahr-e Rey zeigen zudem mehrere Fahrzeuge, die nach dem Betanken nacheinander mechanische Probleme entwickelten und liegen blieben. In Rafsandschan hatten Dutzende Autos und Motorräder nach dem Tanken ähnliche mechanische Probleme.

Als Reaktion auf die Krise haben einige lokale Beamte die Möglichkeit ins Gespräch gebracht, dass Wasser über Tanklastwagen in die Benzintanks gelangt sein könnte. Das wiederholte Auftreten ähnlicher Vorfälle in verschiedenen Teilen Irans hat jedoch umfassendere Fragen zur Qualität des gelieferten Kraftstoffs aufgeworfen, insbesondere da Berichte über die Verwendung von Verbindungen wie Methanol im iranischen Benzinproduktionsprozess auftauchen.

Experten haben davor gewarnt, dass die Verwendung dieser Substanzen über den zulässigen Werten Kraftstoffsysteme, Einspritzdüsen und Motoren beschädigt. Beamte des Ölministeriums bestehen jedoch darauf, dass die Verwendung von Methanol begrenzt ist und den entsprechenden Standards entspricht.

Vor diesem Hintergrund haben Beamte in der Regierung von Masud Peseschkian zunehmend über die Notwendigkeit gesprochen, die Benzinpreise zu erhöhen. Mohammad Dschafar Ghaempanah, der geschäftsführende Vizepräsident, sagte gegenüber ISNA: „Kein vernünftiger Mensch würde akzeptieren, Benzin, das 70.000 Toman kostet, für 1.500 Toman zu verkaufen.“ (Toman sind eine von zwei in Iran verwendeten Währungseinheiten neben dem Rial. 70.000 Toman entsprechen etwa 0,51 US-Dollar).

Gleichzeitig räumte er ein, dass die wirtschaftlichen Bedingungen schwierig seien und die einfachen Menschen die Hauptlast des Drucks trugen. Präsident Peseschkian hat in seinen jüngsten Äußerungen ebenfalls erklärt, dass der Benzinpreis der dritten Stufe von 5.000 auf 10.000 Toman steigen werde (etwa 0,036 bis 0,073 US-Dollar).

Viele Iraner befürchten, dass höhere Benzinpreise eine neue Inflationwelle auslösen werden. Ein Leser von Independent Persian sagte: „Wenn Benzin auf 10.000 Toman steigt, sollten wir erwarten, dass der Preis für jedes Produkt und jede Dienstleistung steigt.“ Ein anderer Autofahrer in Teheran schrieb: „Die Tankstellen sind überfüllt, die Leute streiten sich um ihren Platz in der Schlange, Lebensmittel werden jeden Tag teurer und alle sind wütend.“

Einige glauben, dass die Auswirkungen der Treibstoffkrise allmählich im Alltag der Menschen sichtbar werden. Ein Leser sagte: „Teherans Straßen sind ruhiger als früher. Es gibt weniger Benzin, Autos gehen öfter kaputt und die Reparaturkosten sind astronomisch. Viele Menschen verlassen das Haus jetzt nur noch, wenn sie wirklich müssen.“

Während die Regierung den Benzimangel auf den Krieg, Sanktionen und die hohen Importkosten zurückführt, argumentieren Kritiker, dass die aktuelle Krise das Resultat jahrelanger Vernachlässigung des Ausbaus von Raffineriekapazitäten, einer alternden Fahrzeugflotte, der Produktion treibstoffineffizienter Fahrzeuge und der umfangreichen Investitionen des Staates in seine Militär-, Raketen- und Atomprogramme ist.

Für viele Iraner haben Treibstoffknappheit, sinkende Benzinqualität und steigende Preise eine Situation geschaffen, in der Benzin nicht mehr einfach nur eine Frage des Betankens eines Autos ist. Die Treibstoffkrise ist für sie zu einem Symbol für zunehmenden wirtschaftlichen Druck, sinkende Lebensqualität und die wachsende Schwierigkeit der täglichen Bewältigung geworden.